Comment: Deutsche Unternehmen machen sich „Fit für den NAP“

Achtung Menschenrechte!“ ruft es von großen bunten Plakaten an Berliner Bahnhöfen und auf den Werbebannern der deutschen Wirtschaftswoche. Die Plakate zeigen alltägliche Produkte, wie Handys, Schuhe oder Ananas und die Menschen, die sie herstellen. Und sie stellen große Fragen nach Kinderarbeit, bewaffneten Konflikten und krebserregenden Chemikalien.

Das sind Fragen, die überfordern. Und doch gehören sie seit der Verabschiedung des deutschen Nationalen Aktionsplans (NAP) für Wirtschaft und Menschenrechte im Dezember 2016 in die Konferenzräume von deutschen Unternehmen. Denn der NAP fordert alle deutschen Unternehmen dazu auf, ihre menschenrechtlichen Auswirkungen zu überprüfen und etwaigen negativen Auswirkungen vorzubeugen.

2018 beginnt die Bundesregierung, die Umsetzung des NAPs zu überprüfen. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung bestätigt, dass bei Nichterfüllung der Anforderungen des NAP verbindliche Regulierungen folgen sollen. Damit folgt Deutschland einem klaren internationalen Trend, in dem die unternehmerische Verantwortung für Menschenrechte immer weiter, auch durch verbindliche Gesetze wie zuletzt in Frankreich und England, ausdifferenziert wird.

Mit seiner Werbeoffensive zum Thema Menschenrechte in der Wirtschaft will das Bundesministerium für Arbeit und Soziales daran erinnern, dass es an der Zeit ist, dass deutsche Unternehmen sich dem komplexen Thema zuwenden.

Das Qualifizierungsprogramm „Fit für den NAP“, das twentyfifty in Zusammenarbeit mit dem deutschen Global Compact Netzwerk durchführt, hilft Unternehmen dabei, das Thema menschenrechtliche Sorgfalt aktiv und praxisorientiert anzugehen.

Das siebenmonatige Trainingsprogramm führt die TeilnehmerInnen durch die Grundlagen der menschenrechtlichen Sorgfalt, die Anforderungen des NAP und die wichtigsten Anforderungen an international agierende Unternehmen. Bei zwei Präsenzterminen und während einer fünfmonatigen Arbeitsphase lernen die Teilnehmer, menschenrechtliche Themen mit bestehenden Managementprozessen in ihrem Unternehmen zu verknüpfen.

Die TeilnehmerInnen erarbeiten am Anfang des Trainings nach einem 5-Schritte Ansatz einen realistischen, individuellen Arbeitsplan, den sie während der Arbeitsphase umsetzen. Die Arbeitspläne setzen dort an, wo das jeweilige Unternehmen gerade steht. Bei manchen geht es darum, intern überhaupt ein erstes Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Andere setzen sich zum Ziel, den Entwurf einer menschenrechtlichen Policy anzustoßen oder eine Risikoanalyse durchzuführen.

Uns als Trainern geht es vor allem darum, den Teilnehmern die Angst vor dem Thema zu nehmen und zu zeigen, dass es nicht darum geht, das Rad neu zu erfinden. Wenn die Teilnehmer unserer Trainings sich zum ersten Mal ihr Unternehmen aus dieser neuen Perspektive anschauen, sind sie oft überrascht, an wie vielen Stellen Menschenrechte bereits im Unternehmen verankert sind, ohne dass sie so benannt werden. So behandelt zum Beispiel der Diversitybeauftragte das Recht auf Schutz vor Diskriminierung und die Health and Safety Abteilung das Recht auf Gesundheit. Sich solcher Verknüpfungen bewusst zu werden und richtig zu kommunizieren, wird wichtig werden, wenn die Bundesregierung die NAP-Umsetzung überprüft.

Für viele deutsche Unternehmen ist das Thema menschenrechtliche Sorgfalt noch Neuland – dessen Betreten im Hinblick auf das NAP-Überprüfungsverfahren jetzt notwendig wird. Die gute Nachricht ist: der Aufwand lohnt sich. Mit einem guten menschenrechtlichen Managementsystem, das die Anforderungen des NAP erfüllt, sind Unternehmen in der Regel auch für die Anforderungen ausländischer Regulierungen zu menschenrechtlicher Sorgfalt gut gerüstet.

Der zweite Durchlauf des Qualifizierungsprogramms „Fit für den NAP“ beginnt im Mai 2018.

Auf dem Informationsportal Mr-Sorgfalt.de finden Sie weitere Informationen zum Thema NAP und menschenrechtliche Sorgfalt.